Groundhopping: Alles zum unbekannten Hobby

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Groundhopping ist ein vermehrt unter Fußballfans vertretenes Hobby, kommt aber auch in anderen Sportarten vor. Wer von euch ein paar mehr Einträge hier auf Stadiontouri.de gelesen hat wird wissen, dass der Blog genau aus diesem Hobby heraus entstanden ist. Der Ursprung meines YouTube-Kanals und der gesamten Stadiontouri-Gemeinde liegt im Groundhopping. Aber was genau ist das denn jetzt?

Groundhopping bezeichnet eine bestimmte Sammelleidenschaft von Fußballfans. Der Sammeltrieb ist auch heute bei vielen Menschen noch stark ausgeprägt. Die einen sammeln Briefmarken, andere Kuscheltiere aus der Kindheit, andere nicht eingelöste Verzehrmarken aus der Diskothek … aber irgendwas sammelt doch fast jeder Mensch. Groundhopper sammeln Fußballstadien bzw Fußballspiele in Kombination mit Fußballstadien oder Sportplätzen.

Ja, richtig: Fußballstadien. Beim Groundhopping geht es aber nicht darum, die Stadien wirklich physisch in irgendeiner Form als Modell oder ähnliches zu sammeln. Wenn wir den Begriff in seine einzelnen Bestandteile zerlegen und übersetzen, wird das schnell klar: Ground steht im englischen für den Fußballplatz oder das Spielfeld, während to hop auf deutsch hüpfen bedeutet. Es geht also – wörtlich übersetzt – um das Hüpfen von Fußballplatz zu Fußballplatz.

Nun lässt sich auch erahnen, worum es beim Groundhopping geht und inwieweit hier eine Sammelleidenschaft entstehen kann. Beim Groundhopping geht es darum, Fußballspiele in möglichst vielen unterschiedlichen Stadien und Ländern zu besuchen. Das Hobby und der Begriff haben ihren Ursprung im Fußball, wird mittlerweile aber auch von Fans und Groundhoppern anderer Sportarten verwendet. Vor allem im Eishockey erfreut sich das Hobby immer größerer Beliebtheit. Das liegt vor allem auch daran, dass ein Teil der Fußballfans gerne zum Eishockey und ein Teil der Eishockeyfans gerne zum Fußball gehen. Warum auch nicht? Neben dem Groundhopping gibt es noch das Groundspotting, bei dem Stadien und Sportstätten ohne aktives Sportereignis besucht werden.

Die Geschichte des Groundhoppings

Wie der Fußball selbst, so stammt auch das Groundhopping aus Großbritannien. Dem Briten Geoff Rose kam 1974 erstmals die Idee, Groundhopping organisiert zu betreiben. Rose ist also sozusagen der Gründervater des Groundhoppings. Er schlug damals in einer Fußballzeitschrift (Football League Review) vor, spezielle Krawatten für Fans anzufertigen, die alle damaligen 92 Stadion der vier englischen Profiligen besucht hatten. Eine exklusive Krawatte für einen exklusiven Klub. Vier Jahre später war es dann so weit und der 92 Club wurde am 2. September 1978 gegründet.

Wer Klubmitglied sein oder werden will, muss strenge Regeln befolgen. Die besuchten Stadien müssen mit Datum, Spielpaarung und Ergebnis und der Zuschauerzahl dokumentiert werden. Genau geprüft wird das allerdings nicht. Neben dem 92 Club gibt es auch den schottischen 38 Club, der für alle Stadien der schottischen Profi-Ligen steht.

Viele der britischen Groundhopper, die alle Profistadien besucht haben, widmen sich in der Folge dem Amateurfußball ab der vierten Spielklasse zu – in Großbritannien ist das der sogenannte „Non-League Football“. Dieser Trend lässt sich auch in Deutschland beobachten. Zunehmend besuchen Groundhopper Spiele der unteren Ligen, statt die Komplettierung der ersten drei deutschen Profiligen anzustreben.

Das kann viele Gründe haben. Vielleicht wollen sie den Amateurfußball unterstützen, wo jeder Euro wirklich helfen kann. Der Amateurfußball ist noch echt und herzlich und keine millionenschwere Unterhaltungsmaschinerie. Gerade das macht den Reiz für viele Besucher beim Amateurfußball aus. Viele Groundhopper streben auch danach, möglichst viele Spiele in anderen Ländern der Welt zu besuchen und sogenannte „Länderpunkte“ zusammeln.

Ganz anders als die Briten. Viele britische Groundhopper interessieren sich nicht zwingend für Fußball außerhalb der Insel. Sie bleiben oft ihren Heimatländern treu und streifen durch die Fußballplätze der Non-Leauge-Klubs. In den letzten Jahren kann man aber auch vermehrt auf britische Zuschauer in deutschen Stadien treffen. Durch die Billig-Airlines und die guten Anbindungen an Bundesliga-Spielorte (z.B. von London nach Düsseldorf/Dortmund, Berlin oder Hamburg) lockt viele Groundhopper auch nach Deutschland.

Deutschlands Groundhopper gründen eigene Vereinigung

Außerhalb vom Großbritannien hat sich das Groundhopping insbesondere in unserer deutschsprachigen Region enorm entwickelt. Als Ursprung für das Interesse am Groundhopping bei deutschen Fußballfans wird vor allem die Fußball-Weltmeisterschaft aus dem Jahr 1990 in Italien angeführt. Das erste Gruppenspiel bestritt die Deutsche Nationalmannschaft am 10. Juni 1990 in Mailand. Viele Fans sind damals mit dem Zug nach Italien gereist. Die Zustände zwischen den einzelnen Fanlagern vor Ort war sehr aggressiv. Deutschland gewann damals gegen Jugoslawien mit 4:1. Am Ende krönte sich die Mannschaft mit einem 1:0 in Rom über Argentinien zum Weltmeister.

1993 gründeten deutsche Groundhopper dann die Vereinigung der Groundhopper Deutschlands (V. d. G. D.). Durch die Gründung gibt es auf der Welt insgesamt drei Organisationen für Groundhopper: Die bereits erwähnten „92 Club“ und „38 Club“ sowie die V. d. G. D. Die Idee für die deutsche Vereinigung soll bereits im Jahr 1992 entstanden sein. Aufgenommen werden kann nur, wer von anderen Mitgliedern vorgeschlagen wird. Darüber hinaus gelten noch andere Regeln. So muss ein potenzielles Neu-Mitglied mindestens 300 Stadien in 30 unterschiedlichen Ländern besucht haben. Die Webseite des Vereins ist nicht mehr zu erreichen. Es ist also nicht ganz klar, wie aktiv der Verein noch ist.

Fehlendes Regelwerk erschwert Vereinheitlichung

Da viele Groundhopper wie bereits erwähnt auf eigene Faust unterwegs sind, betreiben sie ihr Hobby des Groundhoppings auch auf sich gestellt. Beim Groundhopping gibt es keine festgelegten Regeln, an die sich gehalten werden müssen. Aus diesem Grund werden unter den Hoppern immer wieder hitzige Diskussionen geführt. Ab wann zählt ein Ground als gekreuzt (Fachsprache für besucht)? Muss das gesamte Spiel angesehen werden, oder reichen 45 Minuten? Oder noch weniger? Was ist, wenn man zwei Minuten vor Abpfiff das Stadion verlässt? Auch sind sich viele Hopper uneinig darüber, ob der Besuch von Nachwuchsspielen als Groundhopping zählt.

In der Szene gilt deshalb oft die Devise: Jeder so, wie er oder sie mag. Während für den einen ein U19-Spiel zählt, verlässt ein anderer das Stadion vielleicht ein paar Minuten vorher oder verpasst den Anpfiff um wenige Minuten.

Kevinhttps://stadiontouri.de
... der Mensch hinter dem Blog- und YouTube-Kanal "Stadiontourist". Ist gelernter Programmierer und studierte danach Journalismus und Public Relations. Auf YouTube hat sein Kanal zu Fußballstadien und Fankultur über 1,3 Millionen Aufrufe erzielt. Arbeite eine Zeit lang als freier Journalist für eine Sportzeitung und steuerte Videobeiträge zur Ausstellung "Fan.Tastic Females" bei, die sich mit Frauen in Fußball-Fankurven beschäftigt. Hauptberuflich noch immer irgendwas mit Medien, Schwerpunkt Social Media.

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