Das vergessene Stadion: Jahnstadion Marl

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Das Jahnstadion Marl ist verwaist und heruntergekommen, aber gerade das verleiht ihm einen gewissen Charme. Die Tribünen sind bewachsen, an vielen Stellen ranken Bäume und Gebüsche aufs Stadiongrundstück. Leider wurde das Stadion auch viel Vandalismus ausgesetzt. Alle Sitzschalen wurden herausgerissen, Wellenbrecher sind demoliert, überall fliegen kaputte Glasflaschen rum. Kaum zu glauben, dass in dieser Halb-Ruine noch Sport getrieben wird.

Eine beeindruckende Konstruktion ist das Jahnstadion in Marl auf alle Fälle. Ganz gleich, in welchem Zustand es sich befindet. Ursprünglich sollten in diesem Stadion 35.000 Menschen Platz finden. Das Dach der Tribüne ist ein echter Hingucker und wird von zwei fast 32 Meter hohe Pylonen getragen. Insgesamt misst die pylonengestützte Spannbetonkonstruktion 66,85 m × 10,10 m.

Jahnstadion Marl: Wichtige Rolle nach Kriegsende

Eröffnet wurde das Marler Jahnstadion nach drei Jahren Bauzeit im Jahr 1927. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde es für die Bevölkerung im Jahjr 1945 dann ein wichtiger Punkt im täglichen Leben, da im hiesigen Vereinsheim die Lebensmittelmarken ausgegeben wurden. Nach einer Stadionerweiterung wurde das Jahnstadion Marl im Jahr 1949 dann wiedereröffnet. Der Zuschauerrekord kann sich sehen lassen: 1960 besuchten 18.000 Menschen das Fußballspiel zwischen dem ortsansässigen TSV Marl-Hüls gegen den Wuppertaler SV (4:1). Heutzutage wäre so eine Zuschauerzahl bei diesem Spiel wohl undenkbar.

Die mini Stadiontouri-Doku über das Jahnstadion Marl. Hier kannst du es direkt in YouTube öffnen: https://www.youtube.com/watch?v=9U034pvbkLY

Zu seiner heutigen Form und Ausbaustufe kam das Jahnstadion Marl in den 1960er Jahren. Anfang August 1962 wurde das Stadion fertiggestellt an die Stadt übergeben. 14 Tage später startete ein viel beworbenes Jugendturnier mit Weltklasse-Mannschaften aus Europa. Unter anderem nahmen die Mannschaften von Real Madrid, Inter Mailand, Sporting Lissabon oder Manchester City an diesem Turnier teil. Abgerundet wurde der hohe Besuch durch die Anwesenheit der legendären Fußballer Eusébio und Lew Iwanowitsch Jaschin. Das Endspiel entschieden die Nachwuchsfußballer von Real Madrid für sich. Sie schlugen den Nachwuchs von Roter Stern Belgrad mit 4:1.

Jahnstadion soll Wohnsiedlung weichen

Solche Namen werden mit dem Marler Jahnstadion in Zukunft nicht mehr in Verbindung gebracht werden. Die Dachkonstruktion aus den 1960ern ist baufällig und seitens der Stadt werden leider keine Gelder mehr in die Aufbereitung und den Erhalt des Stadions investiert. Ähnlich wie in Solingen und beim Stadion am Hermann-Löns-Weg ist der Plan, das Stadion abzureißen und durch eine Wohnsiedlung zu ersetzen.

Trotz der Baufälligkeit des Stadions wird im Jahnstadion noch Sport getrieben. Die „Slydogs Marl“ nutzen das Stadion seit 2008 als Heimspielstätte für ihre Baseball-Spiele. Ein Fußball ist hier in einem Punktspiel schon lange nicht mehr über den Rasen gerollt – und wird es auch nie wieder tun. Der TSV Marl-Hüls, jahrzentelanger Nutzer des Marler Jahnstadions, trägt seine Heimspiele mittlerweile in der Sportanlage „Im Loekamp“ aus.

Kevinhttps://stadiontouri.de
... der Mensch hinter dem Blog- und YouTube-Kanal "Stadiontourist". Ist gelernter Programmierer und studierte danach Journalismus und Public Relations. Auf YouTube hat sein Kanal zu Fußballstadien und Fankultur über 1,3 Millionen Aufrufe erzielt. Arbeite eine Zeit lang als freier Journalist für eine Sportzeitung und steuerte Videobeiträge zur Ausstellung "Fan.Tastic Females" bei, die sich mit Frauen in Fußball-Fankurven beschäftigt. Hauptberuflich noch immer irgendwas mit Medien, Schwerpunkt Social Media.

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